Zu den Änderungen der Anlagen 14 und 15 der Fahrerlaubnisverordnung (FeV) zum 01. Juli 2009

Die Änderungen der Fe- Anlagen 14 und 15 waren aus Sicht des Gesetzgebers notwendig geworden, da einige Träger von Begutachtungsstellen (hier Träger mit eigener Schulungstochter) nach außen hin unter dem Begriff «<em>Beratung</em>» ein Informationsgespräch angeboten
haben und tatsächlich Betroffene in Maßnahmen einer hauseigenen Beratungsinstitution
gelotst haben, ohne den Betroffenen in seiner Entscheidungskompetenz für eine «<em>richtige</em>»
Maßnahme zu unterstützen und vor allem die Entscheidung zwischen verschiedenen
Maßnahmen eindeutig beim Betroffenen zu belassen («<em>Verkaufsgespräch</em>»).

Leider ist man mit diesem Versuch weit über das (gewünschte) Ziel hinausgeschossen. Die
«<em>großen</em>» Träger haben es verstanden, auch die rein beratenen Angebote der Begutachtungsstellen an ihre Töchter zu delegieren und dann den Begriff derart zu interpretieren, dass
dies auch schon eine Form der therapeutischen Intervention darstellt.

Dies hat dann wiederum dazu geführt , dass es auch den Trägern ohne eigene Beratungstochter verboten wurde, beratende Tätigkeiten wahrzunehmen. Dies ist vor allem im
Zusammenhang mit dem gleichzeitig zum 01. Juli 2009 in Kraft getretenen «<em>Beurteilungskriterien</em>», die keine Einschränkung, sondern im Gegenteil den Ausbau von Informationsvermittlung zur MPU zwingend notwendig machen, doppelt zu bedauern.

Stellt dieser Fakt für die großen Träger einen durchaus erwünschten Zustand dar, da sie
selbst bspw. per Rufumleitung an ihre kommerziellen Töchter weiterleiten und die kleinen
Träger «<em>leer ausgehen</em>», was für einige auf Dauer existenzbedrohend sein kann/wird.

Und dann haben genau die wieder profitiert, die für diese Art von Verschärfung verantwortlich
waren. Manchmal sitzt man einfach nur da und schüttelt den Kopf…..

Wie gesagt, es erscheint auch mir wichtig die «<em>MPU-Beratung</em>» von der «<em>MPU-Begutachtung</em>»
zuverlässig zu trennen, um Wertschöpfungsketten zu vermeiden (erst die Beratung, dann
die Begutachtung, schließlich noch die Nachschulung – alles aus einer Hand). Wer würde
da nicht vermuten können, daß nicht bei jedem Betroffenen alles mit rechten Dingen zugehen
wird?

Aber auch das Ziel, Einzelberatungen eines Gutachters, Informationen, Ratschläge und
Empfehlungen zu geben, zu verbieten, führt dann eben auch nicht zum gewünschten Ziel!

Der Nutzen eines seriös geführten Beratungsgespräches ist dabei, vor allem im Interesse
Betroffener, nicht zu unterschätzen. Hier kann der Betroffene von kompetenter Seite einen
klaren Plan in Erfahrung bringen, was zu ändern ist, worüber nachzudenken ist, dass
verschiedenen Angebote zu prüfen sind und ggf. welche Fristen vor einer Begutachtung
einzuhalten sind. Damit kann (auch mit einer möglichst geringen finanziellen Belastung),
Sorge getragen werden, das durch diese Planungssicherheit auch die Akzeptanz für diese
Maßnahme steigt.
De facto sind solche Stellen nach dem Trennungsgebot sehr rar geworden. So bieten sich
zur Zeit etwa Fahrlehrer an, diese Lücke nach einer kurzen Schulung zum Thema zu
übernehmen.

Nicht gegen den einzelnen Fahrlehrer, der seine Arbeit sicher mit bestem Wissen und Gewissen
verrichten mag, aber diese Dienstleistung lässt sich wohl kaum mit dem Beratungsgespräch
eines MPU-Gutachters vergleichen!

So bleibt dann neben einigen seriös arbeitenden Praxen von Verkehrspsychologen wie der
proMPU (wobei mich natürlich auch der Verdacht auf Subjektivität bei der Beratung treffen
kann und wird) kaum noch eine kompetente Stelle übrig, die dieses entstandene Loch füllen
kann.

Somit hat man dann vor allen (mal wieder) den unseriös arbeitenden Stellen Tür und Tor
geöffnet, denn auch Fahrerlaubnisbehörden können hier nur bedingt weiter helfen, haben
die ihre Kompetenzen in anderen wichtigen Bereichen. Es steht hier zu befürchten, dass
auf Grund von Nichtinformiertheit die gewohnte Praxis beibehalten wird und an eine BfF
mit eigener Beratungstochter zum Beratungsgespräch geraten wird, das dann wieder dazu
führt, dass hier eine Behörde (wenn auch häufig unwissentlich) regulierend in einen Markt
eingreift.

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