Geschichte der MPU

Das heißt, der erste Versuch einer Eignungsbegutachtung kommt aus dem Jahre 1911 bzw. 1912 (genaueres ist im Folgenden nicht überliefert). In New York gab es seit 1904 die U-Bahn. Im Laufe der Zeit häuften sich die Unfälle, weil die Lokführer mit der Fahrt durch die dunklen und engen Tunnel überfordert waren.

Ein Deutscher, dessen Name mir ebenfalls nicht bekannt ist, versuchte in diesem besagten Jahr durch einen Einstellungstest nur geeignete U-Bahn Führer herauszufiltern. Doch dies nur am Rande.

05-beurteilungskriterienWie gesagt, in Deutschland gibt es die «Medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU)» seit 1951. Warum? Dies hing vor allem mit den Kriegsversehrten zusammen, die Gehandikapt aus dem Krieg kamen und selbstverständlich am normalen Leben Teil haben wollten.

Da dies zu starken Behinderungen aller geführt hätte, setzte sich erstmals ein Gremium von Ärzten zusammen und verfaßte das Gutachten «Krankheit und Kraftverkehr». In diesem Gutachten wurden zunächst einmal die Bedingungen diktiert, die die Eignung zum Führen von Kraftfahrzeugen ausschloss.

Also:

  • Wer Herzrhythmusstörungen hat, kann Bewusstseinstrübungen haben und ist somit nicht geeignet zum Führen von Kraftfahrzeugen
  • Wer einen zu hohen unteren Blutdruck hat, kann Bewusstseinstrübungen haben und ist somit nicht geeignet zum Führen von Kraftfahrzeugen
  • Wer Zuckerkrank ist, kann Bewusstseinstrübungen haben und ist somit nicht geeignet zum Führen von Kraftfahrzeugen
  • Wer Epileptiker ist, kann Bewusstseinstrübungen haben und ist somit nicht geeignet zum Führen von Kraftfahrzeugen
  • Wer stark betrunken ist, kann Bewusstseinstrübungen haben und ist somit nicht geeignet zum Führen von Kraftfahrzeugen
  • Wer keine Beine hat, ist nicht geeignet zum Führen von Kraftfahrzeugen
  • Wer keine Augen mehr hat, ist nicht geeignet zum Führen von Kraftfahrzeugen
  • Und so weiter. Und so fort.

Und dann wurde in diesem Gutachten «Krankheit und Kraftverkehr» niedergelegt, was die betroffene Person tun muss, um doch geeignet zu sein.

Also:

  • Der mit den Herzrhythmusstörungen braucht einen Herzschrittmacher
  • Der mit dem zu hohen unteren Blutdruck muss stabil eingestellt sein
  • Der Zuckerkranke muss gut eingestellt sein und ein Zucker buch führen
  • Der Epileptiker muss zwei Jahre Anfallsfreiheit nachweisen und sich alle sechs Monate neu einstellen lassen
  • Der starke Trinker muss aufhören, stark zu trinken
  • Der ohne Beine braucht ein Spezialfahrzeug
  • Und der ohne Augen…, na ja)
  • Und so weiter und so fort

psychologisches-gutachten-kraftfahrereingung

Im Laufe der Jahre kamen immer mehr nicht medizinische Untersuchungsanlässe hinzu:

  • Taxifahrer waren schon mit acht Punkten dabei
  • Fahrlehrer «durften» auch zeitweise zur MPU
  • Es gab und gibt eine vorzeitige Fahrerlaubniserteilung ab 16 Jahren
  • Und Ende der 60-er, Anfang der 70-er Jahre mußten Fahranfänger zur MPU, die 3 Mal durch die theoretische Prüfung gefallen waren. Aus dieser Zeit stand dann auch der Begriff «Idiotentest».

begutachtungsleitlinien-zur-kraftfahrereignung

Mit Erscheinen der «Fahrerlaubnisverordnung» (FeV) in 1999 wurden die beiden Werke «Gutachten Krankheit und Kraftverkehr» sowie «Psychologisches Gutachten Kraftfahreignung» zusammen gefaßt zu den «Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahrereignung» und stellt jetzt – mehr oder weniger – eine ausführliche Kommentierung der Anlage 4 der FeV dar, in der die Eignung/Nichteignung beschrieben ist.

Wie wichtig dieses Werk geworden ist, zeigt sich auch daran, daß zu diesen «Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahrereignung» eine eigene «Kommentierung» erschienen ist, eine «Ehre», die ansonsten nur Gesetzen und/oder Verordnungen zuteil wird.

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Mit der Einführung der FeV wurde auch der «Begutachtungsmarkt»dereguliert. Teilten sich bis dahin die «TÜV´s» (bis auf ganz wenige Ausnahmen) streng nach Ländern geordnet, diesen «Begutachtungsmarkt», fielen im Laufe der Zeit diese Grenzen. Außerdem kamen neue, «freie» Begutachtungsstellen auf den Markt, die diesen deutlich belebten und «frischen Wind» in die Begutachtungsszene brachten.

Durch die unterschiedliche Schwerpunktsetzung bei diesen Begutachtungen ergab sich nun die Notwendigkeit, den Begutachtungs prozeß transparent zu gestalten und möglichst einheitliche Richtlinien vorzugeben.beurteilungskriterien Die erfolgte durch die Veröffentlichung der «Beurteilungskriterien», die den Begutachtungsprozeß beispielhaft durch Hypothesengenerierung und deren Verifikation beschreibt.

Die Neufassung dieser «Beurteilungskriterien» erschien im Januar 2009, gilt seit dem 01. Juli 2009 verbindlich und wird im Folgen den noch zu reichlich Diskussionen führen.

Siehe hierzu aktuell vor allem die Diskussion auf www.laufbahnberatungsgespräch.de