Offene Worte an die Begutachtungsstellen

Zunächst möchte ich mich an dieser Stelle recht herzlich bei all den Begutachtungsstellen bedanken, zu denen ich bereits einen guten und nachhaltigen Kontakt aufgebaut habe und mit denen ich in der Vergangenheit gut kooperiert habe.

In den letzten 10 Jahren – seit es die «proMPU» gibt – hat sich «begutachtungsstellentechnisch» einiges bewegt.

Der Begutachtungsmarkt wurde 1999 dereguliert. In der Folge entstanden nach und nach immer neue «freie» Träger von Begutachtungsstellen bei gleichzeitigem Einbruch der jährlich zu erstellenden Gutachten, wozu sicherlich auch die (neue) Fahrerlaubnisverordnung («FeV») einiges beigetragen hat.

All dies hat dazu geführt, daß der Begutachtungsmarkt heute stark umworben wird, was vor 10 Jahren noch undenkbar war.

So treten marktorientierte Sichtweisen des MPU-Gewerbes immer stärker in den Vordergrund. In diesem Zusammenhang ist auch immer deutlicher geworden, daß es sich bei der MPU eben «nur» um eine Dienstleistung handelt.

Auch für die «proMPU» hat sich in diesen Jahren einiges geändert. So werden wir heute von den Begutachtungsstellen

  • Sowohl wahrgenommen als eine Institution, die mit der gleichen Kundschaft (im Vorfeld) arbeitet und
  • Ausdrücklich beworben als eine Stelle, die potentiell die Kundenströme lenken kann.

Die «proMPU» hat sich seit ihrer Gründung vor allem den Dienstleistungsgedanken «auf die Fahne» geschrieben. Und dazu gehört selbstverständlich auch die kompetente Beratung bei der Auswahl der Begutachtungsstelle. Diese Beratung wird von unseren Kunden ausdrücklich erwartet und gefordert.

Denn dies gehört mit zum Auftrag, den uns unsere Kunden erteilen:

«Bitte sorge dafür, daß ich möglichst schnell meine Fahrerlaubnis zurück erhalte.»

Und größtes Ziel ist es, diesen Auftrag zu erfüllen.

Und dazu gehört dann auch, meine Kunden vor Unwägbarkeiten zu schützen.

Die «proMPU» steht in dem Ruf, bestimmte Begutachtungsstellen bei Empfehlungen zu bevorzugen und andere eben nicht. Diese Beobachtung entspricht den Tatsachen. Aber warum ist das so?

Ich wiederhole mich, wenn ich erwähne, daß es mein höchstes Ziel ist, den mir erteilten Dienstleistungsauftrag zu erfüllen. Für dieses Ziel unterhalte ich natürlich auch «Geschäftsbeziehungen» zu den meine Kunden weiterbetreuenden Stellen, namentlich; «Akkreditierten Begutachtungsstellen für Kraftfahr(er)eignung».

Es haben sich im Laufe der Jahre verläßliche und weniger verläßliche Geschäftsbeziehungen ergeben. Verläßlich bedeutet hier, daß vor allem «homogen» begutachtet wird. Hierzu bedarf es klarer und eindeutiger Voraussetzungen.

Was meine ich genau damit?

Fallbeispiel inhomogene Begutachtungsstelle

Ich möchte einmal einen authentischen Fall aus meiner Praxis nehmen:

Ein «MPU»-Betroffener möchte alles richtig machen und macht genau das, was ihm von vielen Stellen geraten wird: Er bucht zunächst ein Laufbahnberatungsgespräch um abzuklären, was er alles tun muß, um bei der auf ihn zukommenden «MPU» grundsätzlich gut gerüstet zu sein.

Im Gespräch empfiehlt ihm der Gutachter eine Therapie mit einer Dauer von 8 Monaten. Mit diesem Beratungsbogen kommt er in meine Praxis. Ich führe diverse Diagnostika durch und komme zu dem Ergebnis, daß hier die Empfehlung nachvollziehbar ist und innerhalb der Begutachtungsleitlinien. Im Endeffekt werden es 10 Monate und er geht (natürlich) zur Begutachtungsstelle, wo er die Laufbahnberatung gemacht hatte.

Der Gutachter stellt nun innerhalb von 2 Minuten fest, daß die 10 Monate Abstinenz für ihn zu kurz sind. Er erkennt eine Abhängigkeit und fordert 12 Monate. Der Zeitfaktor ist tatsächlich Hauptargument für die logisch erfolgte negative Begutachtung.

Sagt der Betroffenen: «Aber ihr Kollege hat doch gesagt, daß ich nach 8 Monaten schon kommen kann.» Antwortet der Gutachter: «Was mein Kollege Ihnen erzählt hat, interessiert mich nicht.»

Das ist das, was ich mit «Verläßlichkeit», bzw. der Nichteinhaltung derselben meine. Durch solcherart Arbeitsweisen leidet neben vielem Anderen auch mein Ruf!

Ich weis selber, daß seit kurzem so etwas wie oben beschrieben nicht mehr möglich ist. Dafür kommt es wahrscheinlich bei Beratungen der «Tochter» und Begutachtung der «Mutter» zu noch Schlimmeren!

Meines Erachtens ist durch die zu starke Fixierung einiger weniger Gutachter bei bestimmten Begutachtungsstellen auf die Durchsetzung eigener Vorlieben die gesamte Existenz der «proMPU» mittelfristig in Gefahr, da sich das ungute Gefühl der Willkür nicht vertreiben lässt!

Eins bleibt völlig unbestritten: Jeder Gutachter ist nur sich selbst verantwortlich. Das ist auch in Ordnung so. Aber es gibt doch auch Firmenkultur und Organisationsphilosophie. Und somit Verlässlichkeit innerhalb einer Organisation bei Grundvoraussetzungen.

Ist es nicht nachvollziehbar, daß sich mein Kooperationswunsch mit in diesem Sinne «nicht zuverlässigen Partnern» in einem eher bescheidenen Rahmen hält? Das eine im Vorfeld ausführlich durchgeführte Diagnostik durch persönliche Vorlieben eines Gutachters einfach ohne Prüfung ausgehebelt wird?

So lange es solcherart Widersprüche innerhalb gewisser Organisationen gibt, so lange wird es auch Empfehlungen für und wider einzelner Begutachtungsstellen geben.

Mein Wunsch: Begutachtet in Gemeinschaft homogener und verlässlicher. Dann wird mit Empfehlungen einzelner Begutachtungsstellen kein Geld mehr zu verdienen sein.