Eignungszweifel

Wie entstehen «Zweifel an der Kraftfahr(er)eignung»?

Warum wird eine «Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU)» angeordnet?

Eine «MPU» MUSS vom Sachbearbeiter einer Fahrerlaubnisbehörde angeordnet werden, wenn bestimmte Auffälligkeiten vorliegen. Sie soll ihm bei der Antwort auf die Frage helfen, ob diese Auffälligkeit (und damit eine erhöhte Gefährdung anderer Kraftfahrer) auch in Zukunft bei dem Betroffenen wahrscheinlich noch einmal auftreten wird oder´eben nicht.

Da er selber aber «nur» Sachbearbeiter und eben kein Experte für die anstehende Frageist, wird ein solcher außen stehender Experte eingeschaltet. Eine «MPU» wird also immer dann angeordnet, wenn die Führerscheinstelle sich selbst nicht in der Lage sieht, allein zu entscheiden, ob sich der Betroffene in Zukunft an die allgemein geltenden Regeln halten kann/wird oder nicht.

Der Ausdruck «Zweifel an der Kraftfahreignung» kann leicht fehlinterpretiert werden. Er führt oft dazu, dass Menschen sich dieser «Sonderprüfung» völlig unvorbereitet stellen, da sie ja «nicht dumm sind» und außerdem (bis auf die Auffälligkeit) ganz hervorragend Auto fahren können! Es geht eben NICHT um den Nachweis der «Fähigkeit, ein Kraftfahrzeug zu führen», sondern um die «charakterliche Eignung».

Streng genommen können wir diese Sache zunächst rein medizinisch betrachten:

Immer dann, wenn jemand in einem Zustand ein Kraftfahrzeug führt, in dem er Bewusstseinstrübungen erleiden kann (z.B. stark zuckerkrank, Herzrhythmusstörungen oder durch Alkohol schwer angeschlagen), hat man die grundsätzliche Eignung verloren, da man in diesem Zustand nicht nur sich selbst, sondern vor allem auch andere gefährdet.

Geht es nun um den «verkehrsauffälligen Kraftfahrer», stehen hinter den «Zweifeln» – je nach Auffälligkeit (Alkohol, Punkte, Drogen, etc.) – «knallharte» Vermutungen. Die wichtigsten möchte ich im Folgenden etwas näher erläutern.

Sie müssen unter dem «Verdacht einer aktuellen Alkoholproblematik» zur «MPU», wenn:

Achtung:

Die Problematik muss gar nicht unbedingt existent sein. Der Verdacht reicht!), wenn:

  • Sie mindestens 1 mal auffällig geworden sind mit einer BAK von über 1,60 ‰
  • Sie wiederholt ein Fahrzeug unter Alkoholeinwirkung (ohne Berücksichtigung der BAK) geführt haben
  • Schon ab 1,1‰, wenn die Umstände, unter denen Sie auffällig geworden sind, den Verdacht erwecken, dass Sie überdurchschnittlich an Alkohol gewöhnt sind oder ein normabweichendes Trinkverhalten entwickelt haben
  • Sie müssen auf jeden Fall zu einer «MPU», wenn Sie (falls irgendwie bekannt geworden) vom Alkohol abhängig sind – auch dann, wenn Sie im Straßenverkehr noch nicht alkoholisiert in Erscheinung getreten sind!

Achtung:

Als «Ersttäter» (also bei nur einer aktenkundigen Alkoholfahrt) ist es nicht unbedingt erforderlich (und auch nicht ohne weiteres zu empfehlen), Alkoholabstinenz nachzuweisen. Auch nicht bei Promillewerten über 2.00 ‰!

Sie müssen bei «Verstößen gegen verkehrsrechtliche Vorschriften» zur «MPU»,

  • wenn Sie gegen verkehrsrechtliche Bestimmungen in einer Weise verstoßen haben, dass daraus eine im Vergleich zu anderen Verkehrsteilnehmern deutlich erhöhte Gefährdung der Verkehrssicherheit für die Zukunft abgeleitet werden kann. Dies bedeutet in der Regel nach einer Kumulation (Anhäufung) von Verstößen bis auf 18 Punkte im Flensburger «Strafregister», kann aber im Einzelfall auch dann schon geschehen, wenn nur eine einzige Tat begangen wurde – wie z. B. «Schwere Nötigung», «fahrlässige Tötung», «schwere Fälle von Unfallflucht» usw.

Sie müssen wegen «allgemeinrechtlicher Straftaten» zur «MPU», wenn

  • die Art und Ausprägung der zu Grunde liegenden Verhaltensdispositionen sich so negativ auswirken, dass die Verkehrssicherheit gefährdet wird. Dies kann beispielsweise der Fall sein bei Raub, schwerem Betrug, Drogenhandel, vorsätzliche gefährliche Körperverletzung usw.

Sie müssen wegen einer «Drogenproblematik» zur «MPU», wenn

  • Sie von Drogen abhängig sind oder, ohne abhängig zu sein, illegale Drogen mißbräuchlich oder selbstschädigend zu sich nehmen. Dies gilt für alle Arten von Drogen (bei Haschisch oder Marihuana gibt es aber Ausnahmen).

Sie müssen wegen «Medikamentenmissbrauchs oder -abhängigkeit» zur «MPU», wenn

  • Sie von Medikamenten mit Suchtpotential abhängig sind oder, ohne abhängig zu sein, Medikamente mißbräuchlich oder selbstschädigend zu sich nehmen. Gemeint sind hier vor allem Betäubungs- oder andere Schmerzmittel, Schlafmittel, Lösungsmittel, Beruhigungsmittel, Aufputschmittel, Appetitzügler, usw.

In all diesen Fällen müssen Sie nun aktiv nachweisen, dass Sie nicht (mehr) zu einer der oben genannten Gruppen gehören!

Gehen Sie ruhig davon aus, dass zu Beginn der Untersuchung die Gutachter davon ausgehen, dass das zu begutachtende Problem (noch) besteht. Das «Zauberwort» für diese Art der Untersuchung heißt «Entlastungsdiagnostik».

Das bedeutet im Klartext, daß immer davon ausgegangen wird, daß die vermutete Problematik auf jeden Fall in der Vergangenheit vorlag. Und jetzt suchen die Gutachter mit Ihnen zusammen nach entlastenden Gesichtspunkten, um im Idealfall feststellen zu können, daß diese Vergangenheitsproblematik in der Gegenwart nicht mehr vorliegt.

Und wenn Sie sich im Vorfeld durch einen Fachmann haben beraten lassen, sollt Ihnen dies bei der Begutachtung auch gelingen!

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